Glossar

A wie Appellation:

Zentraler Begriff im romanischen Weinrecht und jeweils höchste Klassifizierungs-Stufe, in Frankreich AOC (Appellation d‘ Origine Controlee), in Italien DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita), in Portugal DOC (Denominacao de Origem Controlada), in Spanien DOC (Denominacion de Origen Controlada), in Rumänien DOCC (DOC și trepte de Calitate), in Oesterreich (?!) DAC (Districtus Austriae Controllatus) u.n.v.m.

Folgende sieben Faktoren werden im Rahmen der Appellation-Bestimmungen festgelegt und kontrolliert: Anbaugebiet, Rebsorte, Alkoholgehalt, Hektarertrag, Anbaumethoden, Vinifizierungsmethoden und ein Bereich namens „Analyse und Prüfung“. Es sind die Spielregeln der Weinerzeugung in einem geographisch festgelegten Bereich.

Exkurs: Anekdote eines österreichischen Winzers auf der Pro Wein (Weinmesse) in Düsseldorf, der behauptete, dass man mit den Appellation-Mindestanforderungen keinen vernünftigen Wein machen könnte und er die Spielregeln um ein Zehnfaches verschärfen müsste, um mit seinen Erzeugnissen einigermaßen zufrieden zu sein. Daraus lässt sich dann auch ableiten, wie es manche Genossenschaften schaffen können, den Markt mit Billigwein aus „kontrollierter Herkunftsbezeichnung“ einer Appellation zu überschwemmen, die Mindestanforderungen sind meistens viel zu lasch…

A wie Aromen des Weines:

Man unterscheidet beim Wein zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiäraromen.

Primäraromen bezeichnen die sortentypischen Düfte, die durch die Weintrauben selbst entstehen. Es können blumige, fruchtige oder würzige Noten sein, z.B. Rosen, Veilchen, Akazienblüten, Limone, Grapefruit, Kirsche, Johannisbeere, Himbeere, Gras, Brennnessel, Spargel u.v.a.m.).

Sekundäraromen sind Aromen, die während der Gärung neu entstehen. Dabei handelt es sich auch um fruchtige und würzige Noten, die jedoch nicht selbst in den Trauben vorhanden sind, z.B. Birne, Quitte, Ananas, Mango, Honig, Walnuss, Brotkruste, Safran, schwarzer Pfeffer u.v.a.m..

Tertiäraromen sind Alterungsaromen. Also Düfte, die durch den Ausbau des Weines im Fass oder durch Reife in der Flasche entstehen. Die fruchtigen und würzigen Moleküle fallen auseinander und entwickeln neue Duftkomponenten. Z.B. Dörrobst, Rosinen, Gewürznelke, Kakao, Schokolade, Zedernholz, Leder, Vanille, Teer, Lakritz, Tabak, Moos u.v.a.m..

A wie Autochthone Rebsorte:

Autochthone Rebsorten sind einheimische Rebsorten. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und enthält die Wortteile selbst und Erde.

A wie Auxerrois:

Auxerrois ist eine eher selten angebaute Rebsorte aus der Burgunderfamilie, stammt aus der Gegend um die Stadt Auxerre westlich von Chablis (Burgund) und fand über Lothringen den Weg nach Deutschland, wo sie mittlerweile in vielen deutschen Weinanbaugebieten auftaucht.

B wie Barolo DOCG:

Berühmte italienische Appellation im Piemont rund um das Dorf Barolo (es gehören zusätzlich noch die Flächen von zehn weiteren Gemeinden dazu), Rebsorte ausschließlich Nebbiolo, Alkoholgehalt mind. 13%, , Hektarertrag auf 56 hl pro Hektar beschränkt, ab 2010 wurden 170 besondere Lagen ausgezeichnet, MGA, menzioni geografiche aggiuntive, besondere geographische Erwähnungen, der Franzose würde Cru sagen, der Italiener niemals, die absolute Spitze des Gebietes, Lagen-Barolos…

B wie Barbaresco DOCG:

Italienische Appellation im Piemont rund um das Dorf Barbaresco (es gehören zusätzlich noch die Flächen der Gemeinden von Neive und Treiso und die des Weilers Bricco di Neive dazu), Rebsorte ausschließlich Nebbiolo, Alkoholgehalt mind. 12,5%, Hektarertrag auf 56 hl pro Hektar beschränkt, ab 2010 wurden 66 besondere Lagen ausgezeichnet, MGA, menzioni geografiche aggiuntive, besondere geographische Erwähnungen.

B wie Barriqueausbau:

Das Barriquefass ist ein kleines Eichenfass (Bordelaiser Schiffsmaß 225 Liter/226 Liter im Burgund), das früher zum Transport von Wein von Frankreich nach England diente. Als man am Anfang des 19.Jhd. über Louis-Gaspard Estournel in St. Estephe (Bordeaux) eine Verbesserung von Rotweinen aus Barriquefässern feststellte, stellte sich bei wissenschaftlichen Untersuchungen heraus, dass man beim richtigen Einsatz des Barriques durch gekonnte Hand dem Wein weitere Aromen (sog. tertiäre Aromen), zusätzliche Gerbstoffe und eine Zähmung von Säure mitgeben konnte. Wegen der hohen Produktionskosten und der wenigen echten Könnern blieb der Barriqueausbau vorerst auf Bordeaux und Burgund beschränkt. Erst in den 1980er kamen die schweren, vanilletönigen, cremigen und lagerfähigen Rot- und Weißweine in Mode. Dies führte leider zu einer Internationalisierung und Gleichschaltung in der Weinwelt, die Rebsortentypizität rückte immer weiter in den Hintergrund. 2006 dann der bisherige absolute Tiefpunkt, die (wahnsinnige) Erlaubnis von Holzchips im unteren und mittleren Preissegment, um ähnliche Effekte wie bei Barriqueausbau zu erzielen. Negative Erfahrungen in den 90er Jahren mit bestimmten Rioja-Weinen haben mich beim Thema „Barrique-Vanille“ sehr sensibilisiert, zum Glück ist der Modetrend „Barrique“ überall sehr stark abgeflaut, man spart sich vielerorts die Kosten für die besonderen Fässer und investiert lieber in andere Faktoren.

B wie Beaujolais Cru:

Die höchste Stufe der Beaujolais-Pyramide wird durch zehn Crus gebildet, es handelt sich um Brouilly, Chenas, Chiroubles, Cote de Brouilly, Fleurie, Julienas, Morgon, Moulin a Vent, Regnie und Saint Amour.

B wie Bordeaux AOC:

Mit Bordeaux Superieur AOC unterste Appellationsstufe im Bordelais mit den niedrigsten formalen Anforderungen. Ca. 39500 Hektar. Mindestalkoholgehalt 10%.

Zugelassene Rebsorten:

weiß: als Hauptsorten Semillon, Sauvignon blanc, Muscadelle, dazu als Ergänzung (maximal 30%) Merlot Blanc, Colombard, Mauzac, Ondenc und Ugni Blanc.

rosé: es gibt neben dem Bordeaux Rosé auch noch den Clairet.

rot: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Carmenere, Malbec und Petit Verdot.

B wie Bordeauxwein-Klassifizierung von 1855:

Historische höchste Einstufung des qualitativen Ranges von 60 Rotweinen aus dem Haut-Medoc und Graves (heute in Pessac-Leognan). Fünf Ränge (von der Wertigkeit von 1 runter nach 5) wurden nach dem Preis festgelegt, den die Weingüter traditionell auf dem Markt erzielen konnten. Obwohl die Klassifizierung nur ein Mal geändert wurde, 1971 rückte Mouton-Rothschild aus Paulliac als 2ème Cru  (2.Stufe) zum Premier Cru (1.Stufe) auf, bietet die Einteilung immer noch eine gute Orientierung für die besten Weine des Haut-Médoc. Die Preise sind hoch und steigen von Stufe 5 nach Stufe 1 immer weiter an. Die bürgerlichen Gewächse (Cru Bourgeois) werden trotz aller Anstrengungen also niemals in diesen elitären Club aufgenommen werden (allerdings erreichen besonders gute „bürgerliche“ Weingüter auch schon das Preisniveau der „Adligen“) , es gibt keinen Auf- und Abstieg, das widerstrebt mir sehr! Ich werde die fünf Klassen mit Ihren Mitgliedern erst aufzählen, wenn mich ein Mitglied vom PLV überzeugt hat.

Nun gehts los:

5emes Crus

Grand-Puy-Lacoste, Pauillac (der Zweitwein Lacoste Borie 2009 ist ein Siegerschankwein)

B wie Brunello di Montalcino DOCG:

Berühmte Rotweinappellation in der Toskana, die alles mitbringt, um unter die Top 3 der DOCG-Weine (neben Barolo, Piemont und Amarone della Valpolicella, Veneto) zu kommen: wunderbarer, hochgelegener Ort mit spektakulären Panormaausblicken, fantastischen Lagen, einem eigenständigen Sangiovese-Klon (Brunello genannt), strengeren DOCG-Regeln,  vielen Spitzenerzeugern, galoppierenden Preisen und einem prestigeträchtigen Skandal 2008. Es ging um die Auflockerung der 100% Sangiovese (Brunello)-Regel, ausländische Rebsorten sollten prozentual zugelassen werden. Viele Erzeuger waren vorgeprescht und hatten unter DOCG-Siegel Cabernet und Co beigemischt, die beschlagnahmten Flaschen durften später nach Abflauen des Skandals in der Öffentlichkeit dann ganz italienisch elegant doch noch unter DOCG-Siegel verkauft werden, Lösung des „Rebsorten-Problems“ beim Brunello bis heute offen. Eine lohnende Einstiegsalternative übrigens vielleicht der kleine und nicht so hochpreisige Bruder Rosso di Montalcino DOC.

C wie Cabardes AOC:

Interessante Rotwein-Appellation nördlich von Carcassonne mit den gewohnt verwirrenden Spielregeln: auf ca. 600 Hektar sind die Rebsorten Grenache, Syrah, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Cinsault, Malbec und Fer Servadou zugelassen, in Cuvees muss der Anteil von Grenache und Syrah mind. bei 40 % liegen. Gleiches gilt für den Anteil von Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot.

C wie Cahors AOC:

Die 4500 Hektar große, nach dem Städtchen Cahors benannte Appellation liegt im Tal des Flusses Lot. Dort spielt die Rotweintraube Malbec, die auf Kiesterrassen angebaut wird, die Haputrolle und muss zu mindestens 70 % in einer Cuvee enthalten sein. Begleiter sind Tannat oder Merlot.

C wie Champagne AOC:

Die Champagne ist die berühmteste Schaumwein-Appellation der Welt. Sie profitiert in ihren Kernbereichen Cote de Blancs, Montagne de Reims und Vallee de la Marne von ihren hervorragenden Böden, die trotz kühlen Klimas ihre Hauptrebsorten Chardonnay (weiß) und Pinot Noir und Pinot Meunier (beide rot) perfekt mit guter Säure für die Champagnerherstellung reifen lassen. Neben dem Klimawandel ist der größte Feind die immer weiter ansteigende Nachfrage, der Appellationsbereich ist mit ca. 35000 Hektar voll bestockt (wahrscheinlich sind mittlerweile auch einige ehemalige Kartoffeläcker darunter) und eine Erweiterung der Appellationsgrenzen ist beschlossen.

Aus alten Zeiten findet man noch eine Premier Cru- und Grand Cru-Einteilung vieler Bereiche um Dörfer, viele der Spitzen-Cuvees der großen Markenhäuser kommen hierher. Aber auch einige der kleineren Winzerchampagner-Häuser sind mittlerweile mit ihren Champagnern aus diesen Bereichen echte Gradmesser für Qualität geworden. Früher handelte es sich eigentlich immer um Jahrgangsverschnitte, nun werden Jahrgangschampagner immer angesagter.

Keine andere Region darf den Namen Champagner benutzen, wie gut und ähnlich der Schaumwein nach der Methode Champenoise auch hergestellt sein mag. Eine Kommission wacht streng darüber und liefert sich auch schon mal skurrile juristische Auseinandersetzungen, um den deutschen Namen Champagner-Bratbirne vom Etikett der Flaschen des verdutzten schwäbischen Winzers zu klagen.

C wie Classic:

Irgendwann wurde in Deutschland für Qualitätsweine die Qualitätsstufe Classic eingeführt. Die Bezeichnung dürfen nur deutsche Weiß- und Rotweine tragen und welche Rebsorten zugelassen sind, ist Sache der Länder. Im Rheingau sind das Riesling und Spätburgunder. Die Weine sollen eine regionale Typizität ausdrücken, müssen ein paar Auflagen erfüllen (z.B. Mindestalkohol, Trauben müssen aus der Region stammen und auf dem Etikett darf keine Geschmacksrichtung stehen u.ä.). Die nächst höhere Stufe drückt die Bezeichnung  Selection aus.

C wie Chianti-Appellationen:

Neben der Appellation in der Chianti-Kernzone „Chianti Classico DOCG“ gibt es noch einige weitere: östlich von Florenz „Chianti Rufina DOCG“, die Hügel um Siena „Chianti Colli Senesi DOCG“, die Hügel um Arezzo „Chianti Colli Aretini DOCG“, die Hügel um Florenz „Chianti Colli Fiorentini DOCG“, die Hügel um Pisa „Chianti Colline Pisane DOCG“ und „Chianti Montalbano DOCG“ und „Chianti Montespertoli DOCG“. Mittlerweile ist auch die alles umfassende Appellation „Chianti“ zur DOCG in die höchste Stufe aufgerückt, was einige Kritiker auf den Plan gerufen hat.

C wie Chianti-Classico DOCG:

Berühmteste Chianti-Appellation im eigentlichen Chianti-Kerngebiet, traumhafte Landschaft, der schwarze Hahn als unverwechselbares Zeichen, vielseitige Böden, viele Spitzenerzeuger, viele Stile, von süffig fruchtig bis ernst und edel ist alles dabei. 1932 wurde wegen Ausweitung der Anbauflächen über die ganze Toskana die Kernzone „Chianti Classico“ gesetzlich festgelegt. 1963 wurden als DOC weitere Spielregeln festgelgt,1984 der Aufstieg mit den strengsten Regeln zur DOCG. In den 2000er weitere Regeländerungen, 2013 dann der bisher letzte Streich. Einführung einer dreistufigen Qualitätspyramide (Annata, Riserva, Gran Selezione), Möglichkeit zu 100% Sangiovese einzusetzen, mindestens aber zu 80%, Beimischung von 20% toskanischen und ausländischen Rotweinrebsorten erlaubt.

C wie Corbieres (rouge) AOC:

Größte Appellation in der  französischen Weinregion Languedoc mit ca. 14 400 Hektar Rebfläche, Höchstertrag von 50 hl pro Hektar, mind. 11,5% Alkohol, sehr unterschiedlichen Bodenstrukturen und kompliziertem roten Rebsorten-Spiegel, eine Cuvee-Appellation: Gefordert sind ein gemeinsamer Anteil von mind. 50% der Rebsorten Syrah, Mourvedre, Grenache und Lladoner pelut, dabei dürfen die Rebsorten Carignan, Grenache, Lladoner pelut, Mourvedre, Picpoul Noir, Terret Noir, Syrah und Cinsault nicht die Marke von 20% Einzelanteil übersteigen.

C wie Cotes de Bordeaux:

Seit 2009 haben sich fünf Appellationen unter dem Begriff „Cotes de Bordeaux“ zusammengefunden,  um sich gegen die fast übermächtige Konkurrenz aus Nachbarschaft und anderem Ufer zu positionieren. Man hat ein eigenes Logo und einen Slogan entworfen und dabei doch versucht, die Typizität der fünf Terroirs beizubehalten. Die Namen Blaye, Castillon, Cadillac, Sainte Foy und Francs tauchen hinter der Bezeichnung Cotes de Bordeaux als Zusatz auf den Etiketten auf. Identitätsstifter ist die rote Merlot-Traube, als Zusatz sind auch Cabernet Franc, Malbec und Cabernet Sauvignon erlaubt. Bei Weiss setzt man auf Semillion, Muscadet und Sauvignon blanc.

C wie Cotes-du-Rhone AOC:

37500 Hektar, 171 Gemeinden,  seit 1937 AOC-Status. Überregionales Anbaugebiet im südlichen Rhonetal. Es werden zu 97% Rot- und Roséweine erzeugt.

Zugelassene Rebsorten sind:

rot: Hauptrebsorte Grenache, Nebenrebsorten Mourvedre und Syrah, erlaubt sind auch Carignan, Cinsault, Counoise, Clairette, Muscardin, Terret Noir und Vaccarese.

Vorschriften rot: mind. 40% Grenache, die Nebenrebsorten Mourvedre und Syrah mind. 15%, weisse rebsorten max. 5%.

rosé: neben den beschriebenen roten Rebsorten dürfen auch zu 20% weiße Rebsorten eingesetzt werden.

weiss: Hauptrebsorten sind Bourboulenc, Clairette Blanche, Grenache Blanc, Marsanne blamche, Roussanne und Viognier. Nebenrebsorten sind Piquepoul blanc und Ugni blanc.

Vorschriften weiß: Einsatz von 80% der Hauptrebsorten.

C wie Cotes-du-Rhone-Villages AOC:

Die Anbauflächen der Appellation (ca. 8000 Hektar) sind besondere Gebiete der Cotes-du-Rhone AOC. 95 Gemeinden sind zugelassen, 17 davon dürfen ihren Namen mit als Zusatz auf die Etiketten bringen.

Zugelassene Hauptrebsorten sind:

weiß: Grenache blanc, Clairette Blanche, Marsanne Blanche, Roussanne, Bourboulenc und Viognier.

rot: Grenache (mind. 50%), Syrah und Mourvedre.

rosé:  hier sind neben den roten Rebsorten auch bis yu 20% weisse Rebsorten yugelassen.

C wie Cotes-de-Roussillon AOC:

Seit 1977 AOC-Status, ca. 5800 Hektar.

Als Hauptsorten zählen Carignan (max. 60%), Grenache, Lledoner Pelut und Cinsault.. Nebensorten sind Syrah, Mourvedre und die weiße Rebsorte Macabeo. In der vorgeschriebenen Cuvee müssen mind. drei der aufgezählten Rebsorten enthalten sein. Mindestalkoholwert 11,5%. Rotweine m[ssen als Cuvee aus mindestens drei Rebsorten, darunter zwei Hauptrebsorten, erzeugt werden.

C wie Cotes-de-Roussillon-Villages AOC:

Seit 1977 AOC-Status. Ca. 2500 Hektar in 32 Gemeinden, reine Rotwein-Appellation. Die vier Gemeinden Caramany, Latour de France, Lesquerde und Tautavel dürfen ihren Namen als Zusatz auf die Etiketten bringen.

Als Hauptsorten zählen Carignan (max. 60%), Grenache und Lledoner Pelut. Nebensorten sind Syrah und Mourvedre. In der vorgeschriebenen Cuvee müssen mind. drei der aufgezählten Rebsorten enthalten sein. Mindestalkoholwert 12%.

C wie Crémant:

Von 1980 bis 1994 war die Schaumwein-Welt in Frankreich noch in Ordnung: alle Schaumweine außerhalb der alles überstrahlenden Appellation Champagne die unter gleichen strengen Spielregeln hergestellt wurden, durften das Gütesiegel „Crémant de“ ihrer Region tragen. Leider wurden die strengen Spielregeln für Crémant dann überarbeitet und verwässert. Trotzdem lohnt es sich noch immer, in den einzelnen Crèmant-Appellationen zu probieren, Crèmant de Loire, Crémant d’Alsace, Cremant de Limoux, Crémant de Bourdeaux  u.a.

C wie Cru bourgeois, „bürgerliches Gewächs“:

Die zeitlich späte Antwort (aus dem Jahre 1932) auf die Klassifikation des „Rotwein Bordeaux-Weinadels“ von 1855 (es wurden 61 Weingüter vom „linken Ufer“ (Haut-Medoc und Graves) in fünf Klassen als Grand Cru classé (Großes Gewächs) berücksichtigt). Auch die „Bürgerlichen“ versuchten sich fortan an einer Rangfolge unterhalb der berühmten und ultrateuren Nachbarn. 1989 wurde die Appellation „Cru bourgeois“ offiziell anerkannt und registriert.  Je präziser man einteilte und höhere Preise für die Weingüter der einzelnen Klassen erzielen konnte, desto größer wurde der Neid der tiefer eingeordneten Nachbarn, spätestens die Einteilung in eine Hierarchie Cru bourgeois exceptionnel, Cru bourgeois superieur und Cru bourgeois ließ eine heftig Klagewelle rollen und alle Einteilungen wurden hinweggefegt (z.B. auch die in St. Emilion („rechtes Ufer“)).

Heute wird der Begriff „Cru bourgeois“ wie ein Zertifikat vergeben, die Mitgliederzahlen sinken und die Qualität schwankt stark.

D wie Dosage:

Beim Enthefen (Degorgieren) wird bei der Schaumweinherstellung die entstandene Hefe entfernt, die als Auslöser der zweiten Gärung in der Flasche benötigt wurde. Hierzu wird die Hefe manuell oder maschinell abgerüttelt, bis sich ein  Hefepfropfen im Flaschenhals abgelagert hat, der dann eingefroren und schließlich entfernt wird. Da bei dem Vorgang Schaumwein verloren geht, wird die Flasche mit der sogenannten Dosage (Gemisch aus Wein und Zuckersirup) wieder aufgefüllt. Über die Dosage wird der Süßegrad des Schaumweins bestimmt.

Verzichtet man auf die Dosage, tragen die Schaumweine den Zusatz pas dosé, brut nature oder zero dosage und weisen einen Restzuckergehalt von weniger als 3g pro Liter auf.

E wie edelsüß:

Ab dem Prädikat Auslese (Richtwert 110 Grad Öchsle) können deutsche Weine edelsüß sein.

G wie Garda Classico Chiaretto DOC:

Appellation am Westufer des Gardasees in der Lombardei für Roséwein, folgende Zusammensetzung von Rebsorten für den Chiaretto ist erlaubt:

Groppello 30 bis 80%, Barbera 5 bis 60%, Marzemino 5 bis 60%, Sangiovese 5 bis 60% und andere, in der Lombardei angebaute Sorten 0 bis 10%.

G wie Gemischter Satz:

Früher war es eine Tradition, die Weinberge mit mehreren verschiedenen Rebsorten zu bepflanzen, um bei Ernteausfall einer Rebsorte noch Ersatz in der Hinterhand zu haben. Zu einem Lesezeitpunkt wurden dann alle Rebsorten eines Weinberges gemeinsam gelesen, gekeltert und vergoren. Die Wiener Winzer haben diese Tradition bewahrt, neu belebt und ausgebaut, dabei haben sie sich geschickterweise den Begriff „Gemischter Satz“ schützen lassen. Auch in Deutschland gibt es Revitalisierungsversuche und uralte Anlagen (z.B. in Franken), man nennt die Weine hier „Mischsatz“ oder „Alter Satz“.

G wie Gewann:

Kleine historische Lagenunterbezeichnungen, die im Vereinheitlichung- und Flurbereinigungswahn des 1971er Weingesetz endgültig verschwunden waren. Die 70er, eine graue, giftige und zerstörerische Zeit, fern von aller Nachhaltigkeit, allein für die Brillen, die meine Eltern mir ausgesucht hatten, hätte ich auf Körperverletzung klagen sollen! Aber heute werden nicht nur wieder Kassenbrillen modern, auch viele VDP-Weingüter suchen nach Schlupflöchern im strengen VDP-Regel-Geflecht und lassen die alten Gewann-Namen wieder aufleben. Der VDP lässt dies nach Prüfung und Eintragung auch richtigerweise zu, schafft dadurch aber auch immer mehr Erklärungsbedarf auf den Etiketten seiner Mitglieder, ich kenne einige Weinhändler in meiner Stadt, die schon seit 2012 völlig ahnungslos sind und sich bei der Frage nach dem „Gewann“ endgültig in unseren seichten Fluss stürzen würden.

G wie Gran Reserva:

Die Bezeichnung Gran Reserva kennzeichnet in Spanien einen Rotwein, der mind. zwei Jahre im Holzfass und insgesamt fünf Jahre im Fass und Flasche reifen durfte. Der Wein darf also erst nach fünf Jahren in den Verkauf gelangen.

G wie Graves de Vayres:

Trotz der Namensgleichheit hat die ca. 600 Hektar große Appellation Graves de Vayre nichts mit dem berühmten Graves bei Bordeaux zu tun. Graves de Vayre AOC liegt im Norden des großen Gebietes Entre-Deux-Mers am linken Ufer der Dordogne, fast direkt gegenüber der Stadt Libourne. An Rotweinreben sind Merlot, Cabernet-Franc, Cabernet-Sauvignon, Carmenere, Malbec und Petit Verdot zugelassen.

G wie Grenache:

Auf der Welt beliebte und weitverbreitete spanisch-französische Rebsorte, in Frankreich Grenache (besonders gut an der südl. Rhone und in Südfrankreich), in Spanien Garnacha (berühmt im Priorat), Cannonau auf Sardinien, Alicante in der Toskana, sehr gute Weine aus der Rebsorte auch in Kalifornien, Argentinien und Südaustralien.

H wie Hochgewächs (oder wie Riesling Hochgewächs):

Spektakuläre Bruchlandung des Weinschanks als im Stern-Restaurant Ratsstuben in Haltern ein Hochgewächs zum Dessert angekündigt wurde. Wenn man sich nicht sicher ist, soll man doch besser den Pott mit der Kresse halten. Die Bezeichnung wurde erstmals in der damaligen Weinregion Mosel-Saar-Ruwer (heute nur noch Mosel) eingeführt, um besondere Merkmale des Rieslings im Steillagen-Weinanbau zu beschreiben. 1987 wurde der Begriff Hochgewächs für Riesling im deutschen Weingesetz verankert und darf heute in allen 13 Weinanbaugebieten verwendet werden. Der Wein muss ausschließlich aus der Riesling-Traube erzeugt worden sein, der zur Weinherstellung verwendete Most muss einen natürlichen Alkoholgehalt aufweisen, der mindestens 1,5 Prozent über dem Mindestalkoholgehalt liegt, der in dem jeweiligen Weinanbaugebiet vorgeschrieben ist. Außerdem muss der Wein eine amtliche Qualitätsprüfung mindestens mit der Qualitätszahl 3.0 erreicht haben, um die Bezeichnung tragen zu dürfen. In einigen wenigen Weingütern hat sich das Riesling Hochgewächs als Marke tatsächlich etabliert, in der Breite setzen sich aber andere Klassifikationsmodelle durch.

K wie Klassifikationssystem Wachau:

Mitgliedsbetriebe des Schutzverbandes „Vinea Wachau Nobilis Districtus“ unterteilen Ihre Qualitätsweine durch spezielle Markennamen in drei Kategorien:

Steinfeder: leichte, duftige, trockene Weine, maximal 11,5% Alkohol, Mostgewicht von 15 – 17 KMW. Benannt nach einem Federgras, das in den Wachauer Weinbergen vorkommt.

Federspiel: klassisch trockene Weine, Alkohol zwischen 11,5 und 12,5%, Mostgewicht ab 17 KMW. Benannt nach einem alten Brauch bei der Falkenjagd.

Smaragd: besondere, strenge Regelungen, trockene Weine bis höchstens 9 Gramm/Liter Restzucker, ab 12,5% Alkohol, Mindestmostgewicht 18,5 KMW (92 Öchsle). Benannt nach der Smaragdeidechse aus den Wachauer Weinbergen.

L wie Landwein:

Begeben wir uns kurz in die Tiefen des Weinrechtes, seit 2009 gilt durch EU-Weinrechtsänderung, dass man zwischen drei Qualitätsstufen im europäischen Weinbau unterscheidet.

Die niedrigste Güteklasse bildet der Wein ohne Herkunftsangabe (früher Tafelwein), Finger weg!, es handelt sich um weinähnliche Getränke, bei denen auch Weinfehler toleriert werden, die Weine besetzen meistens die unterste Lage im Supermarktregal mit  passenden Dumping-Preisen um die 2,99 Euro. Wenn Ihr da mal was trinkbares finden solltet, bitte sofort hier mail an den blog, das wäre eine echte Sensation!

Zweite Stufe der Landwein, statt Tafelwein-Anarchie gelten hier einige (lasche) Regeln, die besonders die Herkunft betreffen (85% Prozent der Trauben müssen aus der Landweinregion stammen), dazu Spielregeln wie Mindestalkohol, Maximalertrag und einiges mehr, es gibt 26 Landweinregionen, hier im blog bisher der Badische Landwein ein Star, weil viele gute Winzer mit den Regeln der nächsten Qualitätsstufe „Qualitätswein“ brechen oder von der Prüfungskommission mit ihren Weinen als „untypisch“ abgestuft werden und dann lieber ihre fantastischen Weine unter der Bezeichnung Landwein zu erstaunlichen Preisen erfolgreich auf den Markt bringen.

 Qualitätswein aus den 13 bestimmten Anbaugebieten (die sollte man hier mittlerweile kennen, kamen alle schon im blog vor!) und die Qualitätsweine mit den Prädikaten (Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein) bilden die höchste Stufe mit strengeren Regeln und einer Prüfungskommission, die viele Winzer aber eher behindern und gerade die aufkommende Naturwein-Szene abwürgt.

L wie Lange Goldkapsel:

Besondere Qualitäten von Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen, die von den Weingütern (besonders in den Weinanbaugebieten Mosel.Pfalz und Rheingau) nur über Weinauktionen angeboten werden. Die Flaschen sind mit einer längeren goldenen Kapsel gekennzeichnet.

L wie Langhe Nebbiolo DOC:

Die Langhe (Hügel) ist eine spektakuläre Landschaft in der Umgebung der Stadt Alba, berühmteste Orte und Appellationen sind Barolo und Barbaresco. Man hat den Winzern aus beiden Gebieten die Chance gegeben, Weine nach einfacheren Spielregeln zu erzeugen. Nebbiolo muss nur zu 85% enthalten sein, die Hektarerträge liegen bei maximal 70 hl pro Hektar, der Mindestalkoholgehalt bei 11,5%. Trotz der laschen Regeln kann man hier gute Weine finden, weil die Spitzenerzeuger aus den berühmten Gebieten gerne nach diesen Regeln keltern, um neben den (sehr teuren) Spitzenerzeugnissen auch preislich gemäßigte Weine anbieten zu können.

M wie Macération carbonique (Kohlensäuremaischung):

Bei diesem Verfahren ist es wichtig, unverletztes Lesegut in den Keller einzubringen (keine Quetschungen, kein Entrappen). Dies erfordert viel Aufwand, penible Handlese und schonenden Transport (Vorsicht beim Umlagern!). Die unversehrten Trauben werden dann in ein Gärbehältnis eingelagert. Das wird dann aus Schutz vor Oxidation unter CO2-Schutzgas gestellt. Die extrahierten milchig weißen Beeren platzen unter Druck der entstandenen CO2-Bildung auf.

Macération semi-carbonique: anstelle einer künstlichen Schutzatmospäre, kann auch eine Mischform der Technologie eingesetzt werden. Ein Teil der Trauben (bis 50%) wird entrappt, gemaischt und vergoren.

M wie Madeirawein:

Madeira ist ein Likörwein, ein mit Branntwein aufgespriteter Wein. Seine Bedeutung und seine Berühmtheit existieren leider nur noch historisch, wer noch einen Wein findet, der nach der traditionellen Canteiro-Methode hergestellt wurde, der sollte nicht zögern und die Flasche kaufen. Genau wie beim Sherry-Solera System wurde der Inhalt der über mehrere Stockwerke gelagerte Madeira-Fassinhalte kunstvoll verschnitten, oben die in guter Wärme liegenden Jungjahrgänge und unten die gereiften und zur Flaschenabfüllung fertigen Altjahrgänge. Was unten entnommen wurde, tröpfelte aus den oberen Stockwerken nach. So eine Technik ist arbeitsintensiv, zeitaufwändig (mind. zwei Jahre) und mit hohen Kosten verbunden und wurde irgendwann immer mehr durch die schnellere (drei Monate dauernde) Erhitzungsmethode (estufagem) ersetzt. Mit ABSL ist 2013 der letzte reine Canteiro-Hersteller von Madeira verschwunden, nun gibt es nur noch große Erzeuger, die eine kleine Spitzenlinie nach Canteiro-Art erzeugen.

Beim Madeira zeigen die (weißen) Rebsorten den Süß-/Säuregrad an:

Sercial

trocken, benötigt lange Reifezeit (10 Jahre+), hohe Säure, in der Jugend Zitrusfrüchte, im Alter Mandel, Nüsse, Marzipan und Petrolnoten. Schöner Aperitif.

Verdelho

halbtrocken, etwas runder als der Sercial, kann nach 10 Jahren Lagerung Aromen nach Trockenfrüchten, Honig und Kaffee entwickeln.

Boal

Dunkle Farbe, schöne Balance zwischen Säure und Süße, deshalb „halbsüßer“ Eindruck, sehr aromatisch, nach mind. 10 Jahren Aromen wie Aprikose, Orangenzesten, Trockenfrüchte und Karamell.

Malvasia

Etwas heller als der Boal, erbringt den wohl berühmtesten und üppigsten Madeira, ölig, intensiv, schöne, nicht klebrige Süße, neben Toffee, Mandel, Honig, Marzipan noch vieles mehr denkbar.

N wie Naturwein:

Darunter werden Weine bezeichnet, die möglichst ohne Zusätze und ohne aufwändige önologische Verfahren produziert werden. Dafür ist bereits die Bewirtschaftung in den Weinbergen entscheidend. Die Verwendung des Begriffes ist umstritten.

N wie Nebbiolo:

Noble, spätreifende Rebsorte aus dem Piemont (bzw. als Chiavennasca auch in der Valtellina (Lombardei)), trotz mancher Versuche nicht auf internationalen Bordeaux-Geschmack zu bringen, nicht fruchtig genug und weich, dafür jung untrinkbar, viel Säure und  tanninhaltig, entwickelt nach Reife dann aber diese typischen Herbstgerüche im Glas und kann unglaublich fein und edel schmecken, meistens ein Liebling der Blindverkoster, ein knorriges Original in globalen Zeiten. Benötigt zur Reife steile, kalkige Südhänge und wird in den besten Appellationen (Barolo/Barbaresco) erst im November (meistens bei Nebel – ital. nebbia, daher wohl der Name der Rebsorte) gelesen…

N wie Négociant:

Im Bordeaux bezeichnet man als négociant ein Handelshaus, das mit Weinen selbst oder den Vorkaufsrechten auf Wein handelt. Viele berühmte Bordelaiser Weingüter vertreiben Ihre Weine ausschließlich über négociants.  Das Geschäft scheint in den letzten Jahrzehnten nicht schlecht gelaufen zu sein, manchen négociants gehören gleich mehrere Weingüter.

O wie Orangewein:

Bei Orange-Wein (auch orangener Wein) handelt es sich um einen Weißwein, der wie ein Rotwein hergestellt wird. Die Weißweintrauben werden mit den Beerenschalen (Maische) vergoren und extrahieren dadurch Tannine und Farbstoffe aus den Beerenschalen (Mazeration). Zusätzlich erreicht man eine dunkelgelbe bis orangene Farbe durch den sog. oxidativen Ausbau in luftdurchlässigen alten Holzfässern oder Tonamphoren. Der Orange-Wein wird naturnah erzeugt und ausgebaut, das heißt also im Keller unter Verzicht aller Zusätze (auch Schwefelung) und dem Vergären mit Naturhefen. Das Endprodukt bietet ein breites Aromenspektrum.

P wie Perlwein:

Perlwein (französisch vin pétillant, ital. vino frizzante) ist die Zwischenstufe zwischen Stillwein und Schaumwein. Der Wein muss einen Mindestalkoholgehalt von 7% Alkohol aufweisen, bei 20 Grad zwischen 1 und maximal 2,5 bar Kohlensäureüberdruck besitzen.

P wie Pet Nat:

Pet Nat ist die Abkürzung für „Pétillant Nature“, „natürlich perlend“, eine Flaschengärung nach der Méthode Ancestral. Anders als bei der aus der Champagnerbereitung bekannten Flaschengärung (bei der ein fertiger Grundwein bzw. eine Assemblage verschiedener fertiger Grundweine mit erneuter Hefe- und Zuckerzugabe ein zweites Mal vergoren wird) wird beim Pet Nat der bereits gärende Most in eine druckstabile Flasche gefüllt, um dort weiter zu gären. Die während der Gärung entstehende Kohlensäure verbleibt in der Flasche und der Pet Nat ist fertig. Zur Zeit gibt es in Deutschland noch keine eindeutige Definition durch das deutsche Weingesetz, die Stile sind sehr unterschiedlich.

P wie PIWIs (pilzwiderstandsfähige Reben):

Durch die klassische Kreuzung von amerikanischen Wildreben mit natürlichen Abwehrkräften gegen die Rebkrankheiten Falscher und Echter Mehltau mit europäischen Weinreben konnte in den letzten Jahrzehnten nachhaltige Rebsorten gezüchtet werden, die kaum noch Pflanzenschutz benötigen. Von der Kreuzung bis zur Zulassung der neugezüchteten Rebsorte können etwa 20 Jahre ins Land ziehen. Ob die Konsumenten die neuen Rebsorten annehmen, ist trotz der Vorteile für Mensch und Umwelt nicht sicher, viele Weintrinker hängen an „ihren“ gewohnten Lieblingsrebsorten.

Zu den PIWIs zählen: Cabernet blanc, Johanniter,  Solaris, Souvignier Gris, Muscaris, Regent, Cabernet Cortis, Calardis Blanc, Laurot, Satin Noir und Sauvignac.

P wie Portweinstile:

Es gibt eine enorme Vielfalt an unterschiedlichen Stilen (hier nur eine Auswahl):

Fassgereifter Port:

Ruby: einfachster Portweinstil, rubinrot, drei Jahre Lagerung, fruchtig-feurig.

Tawny: bleiben solange im Fass, bis die Weine die typische Bernstein-Farbe (tawny (engl.) = lohfarben) annehmen.

Colheita: Mind. sieben Jahre fassgereifter Tawny aus einem Jahrgang.

Old Tawny: nach Reifung im großen Fass wird auf kleinere Fässer (pipas) umgefüllt. Dort reifen die Weine durch oxidativen Ausbau schneller und nehmen eine hellere Farbe an. Dann Abfüllung auf die Flasche. Im Gegensatz zur Colheita können die Trauben aus verschd. Jahrgängen kommen.

Flaschengereifter Port:

Late bottled Vintage: Wird im vierten bis sechsten Jahr vom großen Fass auf die Flasche umgefüllt, nur Trauben aus einem Jahrgang.

Vintage: nur herausragende Jahrgänge werden zur Klassifizierung zum Vintage-Port zugelassen, allerbeste Qualität, zügiges Umfüllen vom Fass nach zwei bis drei Jahren auf die Flasche, dann lange Reifezeit (bis zu 30 Jahre) erforderlich. Große Komplexität und Struktur.

P wie Prädikatstufe:

Nach dem deutschen Weinrecht wird bei Prädikaten zwischen Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein unterschieden. Es gelten bestimmte Auflagen und Richtwerte (Oechsle/nach Mostgewicht):

Kabinett 75 bis 85 Grad Öchsle

Spätlese 85 bis 95 Grad Öchsle

Auslese 95 bis 125 Grad Öchsle

Beerenauslese 125 bis 150 Grad Öchsle

Trockenbeerenauslese ab 150 Grad Öchsle

Eiswein wird über die Art der Herstellung und nicht über die Öchsle-Grade definiert, kann aber sehr hohe Öchsle-Grade (250) erreichen.

Im oesterreichischen Weinrecht gibt es bei der Einteilung nach Prädikaten einige Besonderheiten und es wird nicht nach Oechsle eingeteilt, sondern nach dem Klosterneuburger Mostgewicht (Klosterneuburger Mostwaage KMW).

Unterschieden wird bei Prädikatsweinstufen in Oesterreich (sie beginnen oberhalb des Kabinettes) nach Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein (Schilfwein), Strohwein und Ausbruch. Der Ruster Ausbruch muss mindestens 27 ° KMW (das wären 138 ° Oechsle) besitzen.

P wie Provence Cru Classé:

Im Jahre 1955 wurden im Gebiet Cotes de Provemce 23 Weingüter nach dem Vorbild der Bordeaux-Weingüter Klassifikation von 1855  in die Kategorie Cru classé eingestuft.  Heutzutage existieren noch 18 davon, u.a. Rimauresq, Chateau Sainte-Roseline, Chateau de Selle, Chateau Minuty, Chateau de Saint-Martin, Domaine de la Croix, Domaine de l’Aumérade, Castel Roubine u.a.

R wie Ripasso:

Früher ein traditionelles Verfahren, um in der Valpolicella-Region in Venetien die Rotweine anzureichern und voller zu machen. Ripasso heißt Wiederholung und meint, dass mit der Zugabe höherwertigem Traubenmostes eine zweite Gärung initiiert wird. Heutzutage absolut in Mode, seit 2010 auch Appellation Valpolicella Ripasso DOC und so marktdurchdringend, dass für“normal“ gemachte Weine kein Platz mehr in den Regalen scheint. Der Weinschank ist ein glühender Ablehner dieser Weine, statt austauschbarer Konzentration würde er viel lieber authentische und feine Weine mit heller Farbe und moderatem Alkoholgehalt sehen, die zu einer gewissen Wiedererkennungschance führen.

R wie Rivaner:

Der Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt, ist eine Neuzüchtung aus dem Jahre 1913 von einem Schweizer Herrn namens Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau. Rivaner war eine tolle Eselsbrücke, bis sich bei gentechnischen Untersuchungen herausstellte, dass es sich nicht um eine Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner handelte, sondern Riesling mit der Rebsorte Madeleine Royal gekreuzt wurde. Absicht der Kreuzung war es, mehr Ertragssicherheit zu schaffen, leider führte der verbreitete Anbau von Müller-Thurgau (immerhin noch zweitverbreiteste Rebsorte in Deutschland!) auch zu vielen verwässerten und neutralen Exemplaren. Dabei kann der „Müller“ mit den guten Genen auch zu überraschenden Ergebnissen führen, in Franken, aber auch Saale-Unstrut und Sachsen pflegt man ihn hingebungsvoll und ich konnte schon überduchschnittliche Qualitäten probieren.

R wie Rosé:

Man könnte denken, die lachsfarbend bis rosarot schimmernden und in der Sonne funkelnden Weine wäre eine Mischung aus Rot- und Weißwein. Das ist aber nicht so: hier sind nur dunkle Beeren im Spiel!  Diese werden angequetscht und verbleiben dann nur wenige Stunden auf der Maische, damit nur wenig Farbstoff aus der Traubenhaut in den Most gelangen kann.

R wie Rotgipfler und Zierfandler:

Zwei autochthone Weißwein-Rebsorten aus der Thermenregion, die solo oder als Cuvee (Rotgipfler-Spätrot) von guten Erzeugern tolle Weine erbringen können.

Der Rotgipfler ist eine natürliche Kreuzung aus einem Miglied der Traminerfamilie und dem Roten Veltliner.

Der Zierfandler (oder auch Spätrot) ist aus einer natürlichen Kreuzung zwischem Roten Veltliner und einer unbekannten Rebsorte entstanden.

R wie Rotling:

Der Rotling ist ein roséfarbender Wein, wird aber im Gegensatz zu normalen Roséweinen (nur aus roten Trauben) aus einer Mischung von weißen und roten Trauben hergestellt. Besonders in den Weinanbaugebieten Württemberg, Baden, Franken und Sachsen verbreitet. Seinen Ursprung hat er tatsächlich in Sachsen, wo er als „Schieler“ (eine lautliche Variante von Schillerwein, wegen der schillernden Farbe) bezeichnet wird.

S wie Saignée:

„Aderlass“, vom franz. Wort saigner (bluten) stammend: spezielle Methode zur Bereitung von Roséwein. Der Gärbehalter mit der Rotwein-Maische wird nach einiger Zeit „zur Ader gelassen“, ohne Pressung werden 10 bis 20% des Mosts abgezogen und weiter zu Roséwein vergoren.

S wie Schaumwein:

Überbegriff für weinhaltige Getränke in Flaschen, die aufgrund Ihres Kohlenstoffdioxidgehaltes unter Druck stehen. Der Überdruck durch das gelöste Kohlenstoffdioxid muss bei 20 Grad mindestens 3 bar betragen. Bei weniger Überdruck siehe P wie Perlwein. Unter Schaumwein fallen z.B. Champagner, Crémant, Sekt, Cava oder Spumante.

S wie Sekt:

In Österreich und Deutschland gängige Bezeichnung für Qualitätsschaumwein, es gilt zur Zeit eine Verordnung der EU von 1999, mit Mindestanforderungen  (z.B. 10% Volumenprozent Alkohol) und Grundregeln (z.B. Sektgrundwein und Dosage müssen aus demselben Anbaugebiet stammen). Die Geschmacksrichtungen werden nach Süße pro Liter eingeteilt, hier können völlig falsche Eindrücke entstehen, seht selbst:

0 bis 3g/Liter  naturherb

0 bis 6g/Liter  extra herb (extra brut)

0 bis 12g/Liter herb (brut)

12 bis 17g/Liter extra trocken (extra dry)

17 bis 32g/Liter trocken (dry)

32 bis 50g/Liter halbtrocken (demi-sec)

über 50g/Liter   mild (sweet)

Steht auf der Sektflasche „trocken“ oder „dry“, kann man also schon einen recht süßen Sekt vorfinden. Das ist gesetzlich abgesicherte Verbrauchertäuschung!

S wie Sherry

Man unterscheidet zwischen trockenen (Generosos) und süßen (Vinos generosos de Licor) Sherrys.

  1. Generosos

Fino

Der Fino reift geschützt unter einer Florschicht ohne oxidativen Einfluss. Verschiedene Jahrgangsernten der Palomino-Traube werden über das kunstvolle Solera-Verfahren miteinander verschnitten. Alkoholgehalt ca. 15%.

Manzanilla

Besondere Art des Finos aus einer eigenständigen Appellation Manzanilla de Sanlucar de Barrameda DOP, rund um den Hafenort Sanlúcar de Barrameda; Mündungsgebiet des Flusses Guadalquivir.

Amontillado

Oloroso

Palo cortado

2. Vinos Generosos de Lucar

Medium

Cream

Pale Cream

S wie Sponti:

Durch den Verzicht von Reinzuchthefen (die bei fast 100% aller Supermarktweine verwendet werden und als zuverlässig aber auch gleichmachend gelten) können bei der Spontangärung allerlei Gerüche auftreten, die von Freaks bis zu einem gewissen Grad geliebt werden , von Anfängern als Stinker und von Fortgeschrittenen als Spontistinker bezeichnet werden. In vielen Fällen verflüchtigen sich die störenden Töne nach einiger Zeit nach Öffnung der Flasche wieder, einige natürliche Gärhefen, die in bestimmten Weinkellern vorherrschen, haben schon mitgeholfen, bestimmte Weingüter zu Superstars zu machen. Wer mehr Natur im Glas will, der muss schon etwas tolerant sein, in den meisten Fällen sorgen die natürlichen Gärhefen sogar für mehr feine Komplexität in der Nase.

STK wie Steirische Terroir- und Klassikweingüter:

Klassifizierung der Lagen der zehn Mitgliedsbetriebe (Gross, Lackner-Tinnacher, Maitz, Neumeister, Erich und Walter Polz, Erwin Sabathi, Hannes Sabathi, Sattlerhof, Tement und Winkler-Hernaden) in z.Zt. 13 Große STK-Lagen und 18 Erste STK-Lagen):

Große STK-Lage (die absolute Spitze): Durchschnittsalter der Reben mind. 15 Jahre, max.  Ertrag von 3500 Litern je Hektar.

Erste STK-Lage: Eigenständigkeit und Lagencharakter soll erkennbar sein, Durchschnittsalter der Reben mind. 12 Jahre, Ernteertrag max. 4500 Liter je Hektar.

S wie Subskription:

Im Bordeaux ist es wegen starker Nachfrage aus aller Welt und dem exklusiven Namen möglich, dass man den Wein per Subskription (en primeur) kaufen kann. Um sich sein Kontingent zu sichern, kauft man eine bestimmte Anzahl Flaschen Wein, bevor diese überhaupt aus dem Fass abgefüllt wurden. Man geht praktisch eine Wette ein (u.a. auf den Jahrgang) und wird mit geringeren Preisen und Minimierung der Zwischenhändler (in Bezug auf optimale Lagerung) belohnt. Nach einer Serie von mittleren und schlecht eingestuften Jahrgängen kommt die fast verschwundene Subskription mit den hoch bewerteten Jahrgängen 2015 und 2016 nun wieder ins Rollen. Interessenten wenden sich an gute Fachhändler oder den Online-Handel.

S wie Supertoskaner:

Das Anpflanzen von französischen Rebsorten in der Toskana, eigentlich besetzt durch einheimische edle Rebsorten wie z.B. Sangiovese, führte zu einer Weinrevolution. Schnell überholten neu kreierte Weine im Bordeaux-Stil wie Tignanello und Solaia (Antinori), Ornellaia und Masseto (Frescobaldi) und Pionier Incisa della Rocchetta (mit Sassicaia) die ehemaligen Toskana-Klassiker preislich und auch sehr oft qualitativ. Gesetzlich wurden diese Weine zwar abgestuft, doch eigentlich führten sie jedes Sortiment eines Toskana-Erzeugers an, damals sehr interessant zu sehen, wie auch unbekannte Weingüter immer wieder neue Supertuscans mit immer neuen fantasievollen Namen und immer gewagteren Traubenmischungen auf den Markt brachten. Heutzutage ist es um die Supertoskaner etwas ruhiger geworden, Klassiker sind exorbitant teuer, Andere sind schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Meiner Meinung hat die Entwicklung der Toskana und gerade der Rebsorte Sangiovese genutzt, mit dem Auftauchen der Supertoskaner wurden auch die Anstrengungen bei den eigentlich klassischen Weine wieder verstärkt.

T wie Terroir:

eigentlich übersetzt aus dem Französischen nur „Boden“ oder „Gegend“. Beim Wein ist jedoch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren wie Mikroklima, Beschaffenheit des Bodens und des Geländes und der Geologie gemeint. Bietet die Natur hier etwas außergewöhnliches an, dann muss als letzter Faktor der Winzer den Elfer nur noch versenken und kann dann regionaltypische oder sogar einzigartige Weine erzeugen. Diese unterscheiden sich dann deutlich vom internationalen mainstream-Geschmack. Übertreiben Weinbegeisterte mit dem Wort Terroir und ordnen diesem Begriff alles andere unter, spricht man auch von Terroir-Terror.

V wie Valtellina Superiore DOCG:

Chiavennasca (Nebbiolo)-Appellation mit fünf Unterbereichen: Sassella, Grumello, Inferno, Valgella und Maroggia.

VDP wie Verband deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter:

Vereinigung von heute ca. 200 Weingütern (die mit dem Traubenadler) aus allen deutschen Anbaugebieten mit traditionsreicher Geschichte und eigener Klassifikation (Qualitätspyramide).

V wie Ventoux AOC:

Bis 2008 Cotes du Ventoux, nach dem Monte Ventoux benannte Appellation (ca. 6200 Hektar, 96% Rot- und Roséweine) im Südosten der Rhone-Region. Als rote Hauptrebsorten sind Grenache, Syrah, Cinsault und Mourvedre zugelassen.

 V.V. wie Vieilles Vignes (alte Reben):

Gesetzlich nicht geschützter Ausdruck, hier entscheidet jeder Winzer selber, wann er bestimmte Rebstöcke als  alte Reben bezeichnen möchte. Theoretisch ist dadurch alles möglich, Minimalerträge von herrlich knorrigen Uralt-Rebstöcken, aber auch belanglose Weine von 12 Jahre alten Reben, weil der Rest der Anpflanzung erst 5 Jahre alt ist. Normalerweise sollte man aber auf eine gewisse Konzentration treffen.

V wie Vino Nobile di Montepulciano DOCG:

Ebenfalls als Namensgeber (wie bei Montalcino beim Brunello) ein sehr schöner Ort im Vale d’Orcia südlich von Siena: Montepulciano (hat übrigens mit der vermehrt in Mittelitalien gleichnamigen Rebsorte nichts zu tun!). Hier heißt der typische Sangiovese-Klon Prugnolo Gentile, er muss zu mind.70% im Wein sein, andere typische Toskana-Rebsorten sind zugelassen, weiße Rebsorten dürfen aber einen 5%-Anteil nicht übersteigen. Die Preise sind moderater als beim Brunello, Spitzenerzeuger können großartig elegante Weine erzeugen. Auch hier gibt es einen kleinen Bruder (Zweitwein), den Rosso di Montepulciano DOC.

W wie Weinfehler:

Der bekannteste Weinfehler ist sicherlich der Korkschmecker. Hier sorgt eine chemische Substanz namens Tri­chloran­i­sol am Korken, dass der ganze Wein nur noch muffig und schimmelig riecht und eigenartig dumpf schmeckt. Kommt in verschiedenen Abstufungen vor und wird von den Weintrinkern auch ganz unterschiedlich wahrgenommen. In letzter Zeit hat der Fehler stark zugenommen und sein Vorkommen wird mittlerweile auf ca. 10 % geschätzt. Anfänger oder Erstkonsumenten eines bestimmten Weines erkennen den Fehler meistens gar nicht und denken, der Wein wäre nicht Ihr Geschmack. Andersherum erkennt man den Korkschmecker sofort, wenn man einen bestimmten Wein kennt und dann auf eine verkorkte Flasche trifft. Im Restaurant prüft man den Korken mit der Nase nach Fehltönen, aber neben diesem Weinfehler gibt es noch viele andere Arten.

Die anderen Fehler werden hier aufgeführt, wenn ich auf sie getroffen bin, beim Thema Sancerre hatte ich schon zwei Mal das unangenehme Vergnügen mit einen Milchsäureton: Milchsäurebakterien, die eigentlich den biologischen Säureabbau bewerkstelligen sollen, bringen durch unzureichende Schwefelung zu viele Nebenprodukte (besonders Diacetyl) hervor. Der Wein riecht nach Sauerkraut, Molke, Milchpulver und schmeckt verdorben.

W wie Weißherbst:

Weißherbst bezeichnet nach deutschem Weinrecht einen Rosé, der aus einer Rebsorte (sehr häufig Spätburgunder) bereitet wurde. Dabei müssen die Trauben aus einer Lage kommen. Auch die Herstellung von Weißherbst-Sekt ist möglich. Auf oesterreichisch „Gleichgepresste“, in der Schweiz „Süßdruck“ und in Frankreich „Vin gris“.