Um möglichst viel schöne Erinnerungen aus dem Urlaub in den Alltag zu retten und immer von der Toskana träumen zu können, habe ich mir ein highlight aus Siena für die Einleitung des neuen Beitrages aufgespart: bei meinen Streifzügen durch Siena habe ich auf der Piazza di Indipendenza im historischen Zentrum eine sehr schöne und relativ neu eröffnete Enoteca gefunden, L’Enoteca Perlage. Hier haben sich die Besitzer und Schaumweinexperten Simona und Besart einen Traum erfüllt und ein Paradies geschaffen. Schwerpunkt liegt tatsächlich auf regionalen Schaumweinen kleinerer Erzeuger, das Sortiment wird aber durch italienische und internationale Schaumweine ergänzt. Ich konnte bei Besart eine Probe machen und mich bei viel Infos durch die Schaumweine verkosten.

Ein Pirat und zwei toskanische Schaumweine.
Und gleich der erste Schaumwein ein echter Pirat, weder aus der Toskana noch bei mir besonders hoch angesehen, ein Prosecco Extra Brut aus der DOC um die schöne Stadt Treviso in Venetien. Nach acht Jahren Bloggerei muss ich immer mehr die Komfortzone verlassen, wenn ich die Leser nicht immer mit den gleichen Weinen langweilen will, Prosecco aber ein absoluter Albtraum von mir! Hat mich als sehr häufiger italienischer Restaurantbesucher als Apertivo pur ausnahmslos zum Nervenzusammenbruch geführt und mir auch jeden Mix mit mangelnder ausgeprägter Perlage versaut, dadurch extrem festgesetzte Vorurteile! Und gerade deshalb habe ich mir einen Prosecco von den Spezialisten gewünscht, geht da vielleicht doch was?
Der strohgelbe Prosecco zeigt feine Perlen im Glas, in der Nase gelbe Früchte und florale Töne, im Mund straffe Perlage, trocken, aber viel Frucht und Schmelzigkeit, langer Abgang mit Mineraltönen. Mag ich sehr gerne, mein erster Prosecco im blog zieht gleich in die Siegerschankliste ein, bravo! Ein besonderer Dank geht an die Enoteca Perlage in Siena.
Im Weingut Fratelli Collavo unterstützen die Söhne Massimo, Marco und Mauro Vater und Gründer Cesare. 1968 kaufte dieser erste Grundstücke in der Gemeinde Valdobbiadene und betrieb den Weinbau zuerst neben Landwirtschaft nur sekundär. Erst ab den 80er Jahren spielte der Weinbau eine immer größer werdende Rolle und mit dem Einstieg von Sohn Massimo im Jahre 2000 gab es einen großen Qualitätsschub. Es wurde kompromisslos auf nachhaltigen Weinbau umgestellt und 2010 ein neues Kellergebäude errichtet. Mittlerweile bewirtschaftet man 10 Hektar.
Der Vino Spumante von Gabriele Mazzeschi kommt als Blanc de Noirs (Rebsorte Sangiovese) Brut Nature goldgelb mit Kupferton ins Glas, sehr feine zurückhaltende Perlage, in der Nase Brioche, Hefe und Kräuter. Im Mund viel Säure, breit und kräftig, trocken, sehr verhaltende Frucht, angedeutete Mineraltöne, langer schmelziger Abgang.
Bio-Weingut La Capanne – Gabriele Mazzeschi liegt im malerischen und wunderschönen Tal des Chio, nahe beim Örtchen Castiglion Fiorentino in der Toskana. Ganzer Stolz sind die 6000 Olivenbäume, der Anbau alter Getreidesorten, aber auch ein bunter Rebsortenmix auf ca. 8 Hektar und ein Agroturismo.
Der Aetos Extra Brut 2022 (Sangiovese, kleiner Anteil Chardonnay) kommt strohgelb ins Glas, kleine und feinperlende Bläschen, in der Nase Jasmin und Schwarzbrot, im Mund sehr elegant, dezente Frucht, Frische, mineralische Töne, langer Abgang mit einem leichten Karamellton. Toller Spumante, 24 Monate auf der Hefe, jährlich ca. 3200 Flaschen und das Gegenmodell zu seinem Vorgänger von La Capanne.
Die Bio-Tenuta Sanoner wurde erst 2009 gegründet, Familie Sanoner wurden direkt neben ihrem Hotel Adler Thermae ein paar Hektar Land angeboten. Heute kann Andreas Sanoner schon auf 30 Hektar zurückgreifen, 12 Hektar eignen sich hervorragend für Weinanbau, 5 Hektar sind davon mittlerweile bepflanzt. In der herrlichen Landschaft um San Quirico d’Orcia stehen auch ca. 500 Olivenbäume, ein Ort zum Träumen.

Korfu oder Südpfalz?
Aber Träume bringen einen auch nicht immer weiter, eine schwierige Herzensentscheidung mit meiner Freundin stand an, was machen wir mit unserem Resturlaub 2024? 14 Tage nach Korfu fliegen oder 16 Tage zurück zu Julius in der Pfalz ins südpfälzische Hainfeld, wir wunderten uns selbst, wie schnell und einstimmig wir unsere Entscheidung trafen: es ging wieder in die Südpfalz, die Ecke bei Rhodt unter Rietburg ist wirklich ein Traum und im Herbst besonders schön! Irgendwie wirkte alles wie immer, der Hausherr lud zu einem wundervollen Menü ein, seine Frau führte vorher durch eine wunderbare Ausstellung in der ehemaligen Scheune und Freundin Marion war auch wieder vor Ort, wunderschöne Tage! Viele Restaurant- und Vinothekenbesuche, ein Treffen mit einem weiteren Ruhrgebietsauswanderer (dem großartigen Palzpottler, selbsternannter Pfalzaholic und weinaffiner und wanderlustiger Gastro-Rumtreiber) und Ausflüge nach Landau, Speyer, Germersheim, Neustadt an der Weinstr., Gimmeldingen, Bad Dürkheim, Forst und Deidesheim.

Unser Träumchen: „Julius in der Pfalz!“ in Hainfeld.

Kein Korfu-Mittelmeer, aber ein buntes Rebenmeer!
Habe ich natürlich niemandem vorher verraten, aber der Fokus bei diesem Pfalz-Besuch lag auf Sekt! Irgendwie bekam ich die Kurve aber nicht, es gab so viel zu probieren, die Pfalz ist ein Traum für jeden Weinbegeisterten und es gab wieder dutzende tolle Tipps für weiße und rote Stillweine von allen Seiten. Erst im schönen Deidesheim, wo man dem dicken und leider schon verstorbenen Altbundeskanzler heute noch für seine Dauerunterstützung der heimischen Top-Gastronomie dankbar ist, fand ich eine Fährte! Nach einem schönen Weißburgunder-Stillwein-Treffer vom Weingut Kranz im schönen Restaurant Sankt Urban im Deidesheimer Hof, las ich beim Palzpottler bei Instagram, dass man auch die Sekte vom Weingut Kranz nicht vernachlässigen sollte. Wollte eigentlich wie immer möglichst einen kleinen Weinhändler unterstützen, aber der war leider komplett mit Kranz ausverkauft, immerhin gab es noch Sekt direkt ab Weingut.

Restaurant Sankt Urban im Deidesheimer Hof.

Blanc de Blancs Brut nature 2021, Weingut Kranz, Ilbesheim
Der Sekt aus 100% Chardonnay kommt strohgelb ins Glas, feine, aber intensiv sprudelnd aufsteigende Perlage, in der Nase grüner Apfel, Birne, Quitte, weiße Blüten und etwas Brioche und Hefe, im Mund frisch, kräftig und trocken, Noten von Apfel, Zitrus, Nüssen und kreidiger Mineralität, langer Nachhall mit salzig-würzigem Ende. Hätte ich persönlich nicht als Blanc de Blancs erkannt, gefällt aber sehr und sollte als Essensbegleiter eingesetzt werden.
Familienweingut Kranz aus Ilbesheim bei Landau in der Südpfalz seit 2012 im VDP. Kerstin und Boris Kranz haben als 4. Generation großen Anteil am steilen Aufstieg, man besitzt mittlerweile 28 Hektar und produziert ca. 100 000 Flaschen, die 5. Generation steht mit Xaver Kranz bereit und arbeitet seit 2013 mit dem Vater zusammen. In dieser Ecke der Südpfalz findet man rund um die prägende Landmarke und das biologische Kleinod Kleine Kalmit sehr kalkreiche Lagen im kühlen Klima. Das macht die Weine schlank, elegant und mineralisch. Seit 2019 betreibt man auch eine eigene und ambitionierte Versektung.

Restaurant Sankt Urban im Deidesheimer Hof.
Und dann am Nachbartisch im Restaurant Sankt Urban plötzlich Lob von einem Pärchen für uns, wir würden uns schon auskennen und äußerst höflich agieren! Endlich mal aufmerksame und gleichgesinnte nette Gäste! Man kam ins Gespräch und stellte sich vor, ich war so stolz, dass ich Herrn Meurer aus Großkarlbach vom Hörensagen zuordnen konnte, der ehemalige Restaurant-Besitzer mit dem wundervollen Toskana-Garten in Großkarlbach, ganz in der Nähe vom wunderschönen Gasthaus Karlbacher, letzteres leider wohl zur Zeit geschlossen! Und neben einem familiären Weingutstipp (Weingut Bohnenstiel, Herxheim am Berg, siehe Kommentar Stockholm-Beitrag!), gab es auch noch einen Sekttipp, Weingut Motzenbäcker aus Deidesheim, unauffällig, versteckt und gut, dieses Mal klappte auch die Bestellung bei einem kleinen Weinhändler in Windeck an der Sieg, ich war gespannt!

Chardonnay Brut 2017, Deutscher Sekt, Weingut Motzenbäcker, Villa im Paradies, Deidesheim, Pfalz
Der 2017er Sekt Brut „Marie“ Methode Rurale von Motzenbäcker kommt goldgelb ins Glas, hergestellt aus Chardonnay, ganz feine Perlage, in der Nase Zitrus, Brot und Kräuter, im Mund feine Karamell- und Zitrusnoten, schmelzig und buttrig, harmonisch und elegant und sehr langer Zug mit Mineralnote, hat mir sehr gut gefallen!
Vier Generationen sind mit dem kleinen Familien-Imperium Motzenbäcker verbunden, dabei dient die schöne Villa im Paradies bei Deidesheim als Anlaufpunkt, Veranstaltungs- und Verkostungsort. Motzenbäcker ist der Name der über 100 jährigen Großmutter und Seniorchefin, die Eltern der Sektmacherin Marie heißen Regina und Klaus Menger-Krug, so gibt es noch eine Verbindung zum Weingut Krugscher Hof in Rheinhessen, Gau-Odernheim. Die Schwester von Marie, Frau Dr. Eve Menger-Krug, promovierte Önologin, setzt sich sehr für den Nachhaltigkeits-Gedanken bei der Weinbereitung ein. Seit 2015 ist Marie Menger-Krug für die Sektbereitung verantwortlich und kann auf bestes Traubengut aus der Pfalz oder Rheinhessen von alten Rebstöcken zurückgreifen. Sie arbeitet an der feinen Sektlinie „Motzenbäcker by Marie Menger-Krug“, dabei hat es ihr besonders die Methode Rurale angetan, die Herstellung eines Sektes mit nur einer Gärung, besten Trauben, keine Filterung, gärend auf der Sektflasche mit ca. 5 Jahren Ruhezeit. Danach Abrütteln und degorgieren, aufwändige und risikobehaftete Methode. Seit 2010 ist sie mit Stephan Schwedhelm vom Weingut Schwedhelm (Zellertal/Pfalz) verheiratet.

„Am Dorfbrunnen“ in Hainfeld, eine Institution.
Das 770 Einwohner-Dorf Hainfeld, in dem wir bei „Julius in der Pfalz“ wohnten, hat zwei gute, schöne und urige Restaurants, eine Bushaltestelle und jede Menge Weingüter. Wir entdeckten einen interessanten Sekt im wunderbaren Lokal „Am Dorfbrunnen“ und brauchten für eine Weinprobe bei Borell-Diehl nur die Straßenseite wechseln. Einen Favoriten der Probe will ich hier vorstellen.

Vinothek Weingut Borell-Diehl in Hainfeld.

Chardonnay Brut 2022, Deutscher Sekt, Weingut Borell-Diehl, Hainfeld, Pfalz
Kommt zitronengelb ins Glas, sehr feine Perlage, in der Nase Aprikose, Quitte, Hefe und weiße Blüten, im Mund überraschend kräftiger Säurezug, Zitrus, grüner Apfel, frisch und klar, kräftig, aber auch elegant, langer Abgang mit feinwürziger Note. Zuhause mit Fisch-, Meeresfrüchten- und exotischen Salaten getestet, richtig großartig! Gefiel mir auf dem Weingut und zuhause, großes Lob an Borell-Diehl und die Sektkarte vom „Am Dorfbrunnen“!
Wurzeln des Weingutes Borell reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, trotzdem drohte Ende der 80er Jahre bei einer unrentablen Größe von 3,5 Hektar das Aus. Zum Glück lernte Annette Borell an der Weinbauschule den Weinbautechniker Thomas Diehl kennen und man beschloss, das Weingut als Borrell-Diehl rentabel und fit für die Zukunft zu machen. Viele Schritte waren notwendig, Umstellung des Fass- auf Flaschenverkauf, Aussiedlung der gesamten Produktion aus beengten Verhältnissen im Ortskern an den Ortsrand (2007), Erwerb zusätzlicher Rebflächen und den Bau einer neuen modernen Vinothek im Hof des malerischen Weingutes (2014). Letzteres spiegelt eindrucksvoll die ganze Philosophie der Borell-Diehls wider, fantastisch gelungene Kombination von Tradition und Moderne! Dabei naturnahe und umweltschonende Arbeit im Weinberg. Mittlerweile bewirtschaftet man 35 Hektar und der talentierte Sohn Georg mit Topausbildung bei Wittmann, Rebholz, Drautz-Able und Van Volxem macht mit seinem Weinstil immer mehr auf sich aufmerksam.

Weintor in Schweigen.
Tagesausflug aus der idyllischen Südpfalz über Schweigen an der französischen Grenze mit seinem furchtbaren Weintor aus der Nazizeit. Auch Nazis hatten mal das Thema deutscher Wein entdeckt und gewohnt größenwahnsinnige Pläne, eine deutsche Weinstraße durch die Pfalz sollte im Norden (Bockenheim) und im Süden (Schweigen) mit überdimensionierten Toren und vielen, vielen Ausflugsgaststätten entlang der Strecke für die durstige arische braune Mörderbrut im Verdrängungsmodus und einige Mitläufer versehen werden. Bis auf das Weintor und eine große Gaststätte in Schweigen konnte das Projekt nicht verwirklicht werden. Und nun stellt sich die Frage, hätte man die teutschen Quaderblöcke des Tores nicht besser abtragen sollen?, man kann sogar noch beim Adler den Abdruck des rausgehauenen Hakenkreuzes sehen. Auf der anderen Seite liegt Frankreich, das Nonplusultra für Weinnerds, auch einige Südpfälzer Winzer haben Rebflächen dort, was soll so ein Sperrriegel? Weintrinker sind tolerant und offen, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern, Freundschaften und Weinen in fremden Kulturen, ich liebe Frankreich schon wegen der Weine sehr und lerne nun täglich französisch, um demnächst mal richtig einzutauchen bzw. aufzutauchen. Dieses Weintor hat mich sehr entsetzt, beliebtes Ziel von Motorrad-Gangs und Bus-Kaffeefahrten, das Thema Wein von Nazis missbraucht, hat mich sehr geschockt! Fairerweise muss man sagen, dass ich die Infos von Tafeln am Weintor bekommen habe, die Auseinandersetzung mit der traurigen deutschen Geschichte wurde auf jeden Fall angenommen! Der Rest ist Schweigen!

In Wissembourg.
Ankunft im elsässischen Wissembourg, gar nicht weit weg von der Südpfalz, aber trotzdem eine ganz andere Welt! Nicht so rausgeputzt wie z.B. St. Martin oder Rhodt unter Rietburg, aber trotzdem mit viel Charme und einem völlig ausgebuchten Weltklasse-Chocolatier namens Rebert. Unser Chocolatier-Ersatz war sehr freundlich und konnte nicht ganz mit Rebert mithalten, bot dafür aber eine sanitäre Dauerbaustelle. Auch sehr interessante Restaurants im Ort, die leider erst abends aufmachten und viel Angebote für deutsche Tagestouristen auf den Straßen, auch mal eine Touristenfalle dabei, schnapp und autsch, wir waren dabei! Aber ganz heiß war ich auf einen Tipp vom hochgelegenem Weingut Sankt Annaberg in Burrweiler in der Pfalz, dort wurde uns ein großes Weinparadies in Wissembourg versprochen und empfohlen, vielen Dank noch mal für diesen Supertipp!

König der französischen Weine.

Champagner-Probe.
Ich hatte drei mir unbekannte Champagner aus dem riesigen Sortiment des Weinhandels mitgenommen und war auf die Ergebnisse sehr gespannt.
Der jahrgangslose Champagner D. Poret et Fils kam stark schäumend ins Glas, blassgelbe Farbe, Cuvee aus Pinot Meunier (40%), Pinot Noir (20%) und Chardonnay (40%). Nach dem wilden Schäumerauftakt ein wunderbar unaufgeregter und klassischer Champagner, in der Nase etwas Zitrus, weiße Blüten und Brot, im Mund cremige Perlage, sehr trocken, etwas Zitrus und langer Abgang mit einer nussigen Note. Schöner Auftakt!
Denis Poret et Fils ist ein kleines (7 Hektar) familiengeführtes Champagner-Weingut in der Montagne de Reims im Dorf Ville-Dommange. Man ist Mitglied der Vignerons Indépendants de France.
Der Champagner Royale Reserve Non Dosé Jahrgang 2020 von Philipponnat (Cuvee aus 65% Pinot Noir, 3% Pinot Meunier und 32% Chardonnay) auch ein starker Schäumer, dann goldgelbe Farbe und verblüffend feine Bläschen, in der Nase Brot, Apfel und Hefe, im Mund straffe und kräftig moussierende Perlage, voll und intensiv, wieder Apfel, aber auch Zitrus und Nüsse, kreidige Mineraltöne, beim langen Abgang dann faszinierende Anklänge nach Kräutern und feiner Würznote. Sehr gelungen!
Champagner-Gut Philipponnat mit viel Tradition in der Montagne de Reims zwischen Dizy und Ay gelegen. Spezialist für Pinot Noir von feinsten Grand Cru und Premier Cru Kalk- und Kreideboden-Lagen, ca. 20 Hektar. Schon im 18.Jahrhundert hochgeschätzter Belieferer des Königs und des Adels, lustigerweise damals in den Anfängen noch mit Stillweinen. Den damaligen erworbenen Reichtum hat man über Generationen reinvestiert und sich mittlerweile mit naturnaher Bewirtschaftung einen sehr guten Namen in Kreisen auch jüngerer Champagner-Liebhabern erarbeitet. Die steilen Toplagen, darunter der Clos des Goisses (5,5 Hektar), sind allerdings ab 300 Euro die Flasche auch kein Schnäppchen mehr.
Goldgelb und kräftig sprudelnd präsentiert sich der Champagner Telmont Reserve Brut im Glas. In der Zusammenstellung der Rebsorten-Anteile (53% Pinot Meunier, 31% Chardonnay und 16% Pinot Noir) ,der Jahrgangsanteile (65% aus 2018, 12% aus 2017, 12% aus 2016 und 2% aus 2015, andere Jahrgänge 9%) und der unterschiedlichen Parzellen (44% aus Damery, 8,5% aus Fontette, 6,8% aus Songy, 6,7% aus Avize, 5,8% aus Sandoy u.v.a.m.) schon ein kleines Meisterwerk! In der Nase Hefe, Mandeln und florale Töne, im Mund straffe Perlage, trocken, aber dazu klare Frucht, etwas Hefe, feiner Mineralton, sehr langer cremiger Abgang, macht ebenfalls sehr viel Freude und bietet sich an für diverse pairings.
Das Champagnerhaus wurde 1912 von Henri Lhopital im Vallée de la Marne gegründet, mittlerweile gehört es mehrheitlich zum Spirituosenkonzern Rémy-Cointreau, die Familie Lhopital organisiert aber in 4. Generation weiterhin die Leitung. Man besitzt mittlerweile ca. 25 Hektar mit vielen hochwertigen Premier Cru-Lagen, die man nachhaltig und größtenteils biodynamisch zertifiziert bewirtschaftet.

Blick über Weyher nach Hainfeld (hinten links).
Die Vertreibung aus dem Paradies fiel uns dieses Mal besonders schwer, die bunten Herbstfarben der Pfalz hatten uns noch mehr berauscht als beim ersten Besuch, dazu die freundlichen Menschen, die alle auch irgendwie mit Wein zu tun hatten. Da malt man sich die Zukunft rosig aus und sinnt über Auswanderung nach und will den Meimbergs („Julius in der Pfalz“) oder dem Palzpottler nacheifern. Träume müssen auch realistisch bleiben, wir wären schon sehr froh, wenn wir mal eine längere Zeit (Monate am Stück!) in der Pfalz austesten könnten. Time is running und Träume sind Schäume, wir bekamen zuhause Post, dass sich die Meimbergs über kurz oder lang in den Unruhestand zurückziehen bzw. umziehen und ihre Einliegerwohnung im ehemaligen Weingut verkaufen wollen. Die Nachricht hat uns erst sehr traurig gemacht! Auf der anderen Seite hat alles seine Zeit und die Apartements im Hotel bleiben auch über den 01.07. für „Langzeiturlauber“ (ab 14 Tage) buchbar. Hörte sich erst viel schlimmer an, als es ist, die Meimbergs zieht es wahrscheinlich wieder in die Stadt. Wir sind überzeugte Wiederholungstäter, die Pfalz ist einer unser großen Sehnsuchtsorte. Wir kommen wieder!

Markt in Landau.
Nach den Champagnern wollte ich unbedingt auch Cremant aus Frankreich testen, neben der Champagne, mit ihrem streng geschütztem Namen, sind auch noch viele andere Regionen in Frankreich sehr gut für Schaumwein-Produktion geeignet, hier eine Auswahl!

Zeit für Cremant! Savoyen, Limoux und Bourgogne (Burgund).
Durch Zufall im französischen Weinladen Caves Gaillard in Velbert entdeckt, dass es vom schon vorgestellten Savoyen-Familienweingut Jean Vullien et fils auch einen „Cremant de Savoie Brut“ gibt. Der sollte das erhoffte Cremant-Festival hier eröffnen, nach dem starken Auftritt des Weingutes hier im blog bei den Rotweinen (besonders aus der Rebsorte Mondeuse) war ich sehr zuversichtlich.
Kommt im hellen Zitronengelb ins Glas, kleine Bläschen bilden eine muntere und ausdauernde Sprudelei, Cuvee aus den Rebsorten Jacqueres (50%), Chardonnay (30%) und Roussette (aka Altesse) (20%), in der Nase Brot, Birne, Apfel und Blüten, im Mund kräftige Perlage, aber auch viel Zitrus-Frische mit süffigem Zug, Apfel, cremig und nussig, Beeren, gute Balance und würzig mineralischer Abgang mit feiner Mandelnote. Richtig gut!, unbedingt neben den Weiß- und Rotweinen aus den Savoyen auch mal einen Cremant probieren, kann sich wie hier richtig lohnen!
Und nun ein Cremant de Limoux Brut Rosé von Sieur D’Arques mit kleiner Vorgeschichte. Wurde mir schon mehrfach durch Zufall mehr oder weniger blind zur Verkostung eingeschankt (Weinbar in Münster, auf der Hochzeit von Alex und Annika in Buldern und beim Menükarussell in Haltern) und ich konnte mich nie dem Charme und dem straffen Zug des Preis-Genuss-Monsters entziehen, nur in Haltern kamen kurze Zweifel auf, weil es doch relativ schnell äußerst ruhig bei mir im Glas geworden war! Deshalb nun die ultimative Verkostung mit dem Cremant de Limoux Rosé aus meiner Bezugsquelle in Wülfrath.
Kommt ordentlich sprudelnd und schäumend ins Glas, lachsfarben, mit sehr feinen und ausdauernd sprudelnden Bläschen, in der Nase Erdbeere und weiße Blüten, im Mund ein straffer und kräftiger Säurezug, Apfel und Beeren, sehr süffig und schmelzig, dezent würziger Abgang. Für mich wirklich eine preisgünstige Empfehlung für Feten aller Art, echte Könner am Werk und mit dem Hinweis Grande Cuvee 1531 auf dem Etikett wird selbstbewusst darauf hingewiesen, dass die Mönche in Limoux fast 100 Jahre eher als in der Champagne mit der „Schaumweinerfindung“ beschäftigt waren.
Die traditionsreiche Genossenschaft Sieur d’Arques von 1946 aus Limoux (ca.25 km von Carcassone entfernt) hat ca. 200 Mitglieder, die ca. 1800 Hektar Rebfläche in 40 Gemeinden des Languedoc bewirtschaften. Man profitiert von stark schwankenden Temperaturen am Tage und in der Nacht auf den kalkreichen Schichtsilikatböden. Zur Zeit produziert man jährlich aus Chardonnay, Chenin blanc, Mauzac und Pinot Noir ca. 450 000 Flaschen Cremant de Limoux.
Auf Empfehlung aus meinem Lieblingsweinladen in Solingen dann noch einen Cremant de Bourgogne (Burgund) im Test.
Cuvee aus 60% Aligoté, 30% Pinot Noir und 10% Chardonnay, strohgelbe Farbe, feine Perlage, in der Nase Birne, weiße Blüten, Toast und Mandeln, im Mund straffer Säurezug, dabei aber frisch und harmonisch, grüner Apfel und Beeren, viel Schmelz und langer Abgang mit Mineralnote. Starker Cremant, gefällt mir richtig gut!
Die Maison Chanzy ist ein Beispiel dafür, wie sich Weingüter verändern und entwickeln können. Angefangen hat 1925 ein Monsieur Sordet mit dem Erwerb eines Gebäudes mit einem wunderschönen Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert und 3,5 Hektar mit der Rebsorte Aligotè im angesehenen Dorf Bouzeron, Côte Chalonnaise. Danach gab es mehrere Eigentümer- und Namenswechsel, bis 1974 das Ehepaar Daniel und Catherine Chanzy das Weingut erwarb und es mit dem bis heute bekannten Namen versah. Clevere Zukäufe, die zum Aufbau eines beeindruckenden Lagenportfolios führten und Vergrößerung der Rebfläche auf 37 Hektar führten, machten 2013 nach Rückzug des Ehepaares die Investmentgesellschaft OLMA der Herren Pietrossian auf den Besitz aufmerksam. Nach Kauf wurde sofort kräftig investiert und strategisch das Lagenportfolio herausgeputzt, man besitzt mittlerweile vier Monopollagen und fünf Clos und kann auf 66 Hektar Weine aus vielen berühmten Appellationen anbieten. Dazu ist man biozertifiziert und betreibt umweltfreundlichen Weinbau.

Spumante Metodo Classico Brut, 2018, Azieda Agricola Generaj, Montá, Piemont, Italien
Kommt strohgelb und mit feiner Perlage ins Glas, in der Nase Anis, würzige Noten, etwas Brot und Mandelblüten, im Munsch frisch und fruchtig, Zitrus, dazu straffe Säure und mundfüllendes Prickeln, langer feinwürziger Abgang. Cuvée aus der piemontesischen autochthonen Arneis (50%) und den Internationalen Chardonnay (25%) und Pinot Noir (25%). Hat mir sehr gut gefallen, besonders die Nase war faszinierend.
Die Azienda Agricola Generaj ist ein kleiner 12 Hektar Familienbetrieb aus dem Dorfe Tucci bei Montá im Roero-Gebiet (Piemont). Das Roero liegt auf der linken Seite des Flusses Tanaro, nördlich der Stadt Alba und etwas im Schatten der älteren DOCG in der Langhe, wie Barbaresco oder Barolo. Es besteht aus sanften Hügeln mit steilen Schluchten, aus den sandigen und kalksteinreichen Böden mit Mineralsalzen produziert die Familie Generaj in siebter Generation jährlich zertifiziert ökologisch, nachhaltig und umweltfreundlich ca. 75000 Flaschen.
Mal wieder ins Piemont wäre auch so ein Traum, passt auf Eure Träume auf und schiebt nichts endlos auf die Bank, es findet sich leider immer ein orientierungsloser Berufsanfänger oder sonstiger Zufall, der die Träume wie Seifenblasen zerplatzen lässt! Kämpfe immer noch mit den Folgen meines Fahrradsturzes, nach einer weiteren OP (Implantat-Entfernung) soll es hier zügig weitergehen.












































































































































































































































































































